Manche Turniere beginnen mit einem Anpfiff. Andere beginnen mit einer Identitätskrise, einem Skyr-Krieg und der Frage, ob man eigentlich ein Brot ist. Unser Turnierwochenende in Gemmingen hatte – wenig überraschend – von Anfang an einiges zu bieten.

Die Vorfreude auf das Turnier in Gemmingen war so groß, dass gleich zwei Teams des PSV gemeldet wurden: PSV Bierliebe und PSV Seegürkle.

Allerdings startete die Bierliebe zunächst als Bierleibe ins Turnier. Die berechtigte Frage von Marcello – „Sind wir Brote?“ – musste daher noch vor dem ersten Spiel geklärt werden. Das Fazit: Brote sind wir nicht. Interessanterweise stellte bei den Seegürkle niemand dieselbe Frage.

Noch bevor das eigentliche Ziel am Freitagabend überhaupt erreicht war, musste bereits ein Spieler das Auto verlassen. Nicht etwa wegen schlechter Stimmung oder sportlicher Fehlleistungen, sondern aus einem durchaus wichtigen Grund: Der Transport der Verpflegung vom Laden bis ins Freibad musste sichergestellt werden. Unter den mitgeführten Schätzen befand sich auch eine besonders wichtige Ressource: eine ordentliche Portion Skyr. Dieser wurde am Abend brüder- und schwesterlich geteilt – ganz nach dem bewährten Prinzip: Ein Löffel für alle. Solidarität wird bei uns schließlich großgeschrieben.

Nachdem fast alle Spielerinnen und Spieler ausreichend mit Skyr versorgt waren, nahm der Abend jedoch eine unerwartet dynamische Wendung. Aus dem harmlosen Abendessen entwickelte sich zwischen Micha und Dani ein ausgewachsener Skyr-Battle, bei dem das Lebensmittel kurzerhand zum Kampfmittel umfunktioniert wurde. Die Auseinandersetzung forderte schließlich ihren ersten Kollateralschaden: Janina musste einen ordentlichen Treffer am Kopf hinnehmen. Glücklicherweise fand sich Tim, der seine tägliche Proteinzufuhr noch nicht erreicht hatte und sich der Sache kurzerhand annahm.

Nach Ende des Skyr-Krieges und ausgiebigen Gesprächen wurde schließlich die Tanzfläche betreten. Dass das Team nicht nur im Wasser, sondern auch dort über eine beachtliche Ausdauer verfügt, wurde spätestens an diesem Abend eindrucksvoll unter Beweis gestellt. Bis in die frühen Morgenstunden wurde durchgetanzt – Konditionstraining einmal anders.

Irgendwann beschloss dann auch das Wetter, sich aktiv am Turnierwochenende zu beteiligen. Der starke Regen kam für einige Handtücher allerdings etwas zu überraschend – sie wurden noch vor ihrem ersten Einsatz unfreiwillig aus dem Turnier genommen. Im Zelt konnte man anschließend wunderbar dem Regen lauschen und einschlafen.

Am nächsten Morgen ging es dann endlich ins Wasser – und der PSV war bierernst bei der Sache. Den Anfang machte Bierliebe mit einem überzeugenden 9:1 gegen die KIT Grey Seals. Auch gegen die Pelikane aus Bregenz sowie später gegen Team Intim und Gemmingen wurde fleißig eingenetzt. Mit Siegen von 7:1, 11:6 und 11:4 war schnell klar: Bierliebe hatte ordentlich Schaum vor dem Tor!

Bei Seegürkle lief es zunächst etwas gurkiger. Gegen Friedberg setzte es ein deutliches 2:13, gegen Heilbronn folgte eine knappe 5:7-Niederlage und auch Pforzheim erwies sich mit 5:11 als zu bissig. Doch von saurer Stimmung war keine Spur – schließlich sollte der Tag noch mit einem Erfolg enden.

Gegen die KIT Grey Seals zeigte Seegürkle dann, was in ihnen steckt, und holte mit einem starken 9:2 den ersten Sieg. So zeigte sich der PSV in bester Mischung: Bierliebe mit ordentlich Zug zum Tor und Seegürkle mit dem nötigen Biss.

Über den Tag verteilt war auch neben den Spielen einiges los. Oder, wie es Julian treffend zusammenfasste: „Auf einem Turnier passiert immer so viel und so gleichzeitig. Schaue ich nach links, ist da eine Massageschlange. Schaue ich nach vorne, wird dort ein Glücksspiel eröffnet. Schaue ich nach rechts, wird ein Sack Karotten gegessen. Und wenn ich weiter nach hinten schaue, sitzen da welche auf einem mitgebrachten Sofa und pennen vor sich hin.“

Beim erwähnten Glücksspiel bewies Philip erstaunliches Gespür und sicherte sich das begehrte Bier.

Bevor es schließlich zum Abendessen ging, wurde noch fleißig der Fotoautomat in Betrieb genommen. Wie viele Wasserballer auf ein Foto passen? Offenbar mehr, als man denkt.

Weiter ging es mit einem Abendessen beim Dönerladen. Weil wir offenbar nicht einfach nur eine normale Gruppe hungriger Wasserballer waren, sondern ein Ereignis für sich, verlängerte der Döner kurzerhand extra für uns seine Öffnungszeiten und eröffnete sogar einen neuen Dönerspieß. Wenn das mal kein Einsatz für den Sport ist.

Gesessen wurde an einer langen Tafel, die zunächst auch ganz hervorragend funktionierte – zumindest für alle, die vorne saßen. Dani passte seine Position am Tischende überhaupt nicht, weshalb er kurzerhand eine zweite Reihe eröffnete. Auch das war wenig zufriedenstellend und so begann das große Tisch-Tetris. Es wurde diskutiert, überlegt und debattiert, ob und vor allem wie die Tische umgestellt werden sollten. Dani nahm schließlich die Sache selbst in die Hand und verkündete voller Zuversicht: „Nur ein paar wenige müssen aufstehen.“

Was zunächst nach einem einfachen Plan klang, entwickelte sich schnell zu einer ausgewachsenen Umräumaktion. Immer wieder mussten neue Leute aufstehen, Tische wurden verschoben und Plätze getauscht. Nachdem schließlich ungefähr die Hälfte der Anwesenden und Tische umgerückt worden war, schien das Problem gelöst.

Fast alle saßen wieder.

Denn ausgerechnet der Initiator der gesamten Aktion stellte fest, dass für ihn – Überraschung – erneut nur ein Platz in der zweiten Reihe übrig war. Die Erkenntnis sorgte für einen der größten Lacher des Abends. Aber immerhin: Dieses Mal hatte er wenigstens auch einen Tisch in seiner zweiten Reihe.

Beim Vergewohlwurschteln des Abendessens fanden einige Spieler ganz nebenbei auch noch zu neuen Namen: Herr Wörteringeneur, Mr. Crab, Humpty Dumpty und der Langzeitstudent waren geboren.

Nachdem die Lachmuskeln auch bei den weiteren Gesprächen ordentlich trainiert worden waren, ging es zurück ins Freibadgeschehen. Dort wurde sich so fürsorglich umeinander gekümmert, dass auch die Alzheimer-Prävention nicht zu kurz kam.

Der Sonntagmorgen begann mit einem ganz besonderen Weckdienst: wunderschöne Musik, die durch das gesamte Freibad dröhnte und zuverlässig dafür sorgte, dass auch der letzte Tiefschläfer wusste, dass die Nacht nun endgültig vorbei war.

Auch das Aufwärmen wurde an diesem Tag äußerst dynamisch gestaltet – ob tanzend um das Verpflegungslager auf dem Zeltplatz oder hüpfend und Pirouetten drehend am Schwimmbecken. Für Bewegung war jedenfalls gesorgt.

Am Sonntag ging es dann um die letzten Punkte. Bierliebe startete mit einem knappen 5:4 gegen Heilbronn und zog damit ins Finale ein. Stark präsentierten sich dabei Ida, Felina und Janina, die zwei Angriffe erfolgreich alleine abschlossen.

Im Finale musste sich das Team trotz einer starken Turnierleistung mit 5:10 geschlagen geben. Am Ende stand trotzdem ein hervorragender 2. Platz – Silber ist schließlich auch eine ziemlich gute Farbe.

PSV Seegürkle lieferte sich gegen Gemmingen ebenfalls ein enges Duell, musste sich aber knapp mit 2:3 geschlagen geben. Damit ging es für die Seegürkle auf einen soliden 8. Platz.

Trotz aller sportlichen, kulinarischen und nächtlichen Strapazen war die Begeisterung für das Turnier so groß, dass einige Spielerinnen und Spieler am Ende einfach noch nicht nach Hause wollten. Also wurde kurzerhand noch eine Runde Volleyball angehängt.

So blieb am Ende vor allem eines hängen: Neben Wasserball wurde auf diesem Turnier mindestens genauso viel gelacht, gegessen, getanzt, gezockt, umgeräumt und improvisiert. Und genau deshalb sind es am Ende nicht nur die Spiele, sondern vor allem die kleinen Geschichten dazwischen, die ein solches Wochenende unvergesslich machen.