Man glaubt es manchmal kaum, schon wieder ist ein ereignisreiches Jahr ins Land gezogen und die nächste Osterwanderung steht in den Geschichtsbüchern. Auch dies kaum zu glauben, es war die 36. Wanderung seit der Gründung dieser tollen Tradition im Jahre 1987. Und noch immer gehören einige Gründungsmitglieder zum Teilnehmerkreis. Vieles lief wie immer, ich denke, ihr kennt es, Treffpunkt Karfreitag, 6:30 Uhr am Bahnhof bzw. irgendwo auf der Baustelle. Mal schauen, wann wir uns wieder in alter Tradition im Bonatzbau treffen können. Alle Teilnehmer waren trotz der frühen Uhrzeit super pünktlich, Respekt!
Gegen 7:00 Uhr setzte sich eine bunt-altersgemischte Gruppe von 11 Wanderern mit dem Regionalexpress nach Bruchsal in Bewegung, von dort ging es weiter über Heidelberg nach Meckesheim. In Summe waren für dieses Jahr eher etwas entspanntere Etappen geplant, da der ein oder andere Teilnehmer mit kleinen Einschränkungen aufgrund einer vorausgegangenen Operation oder einem Sturz noch etwas „lädiert“ war. Aber wir waren glücklich, dass alle dabei sein konnten (ok, einen Ausfall gab es leider aufgrund eines unglücklichen Fahrrad-Unfalls, hier verlief die Heilung leider nicht ganz so schnell wie erhofft, von dieser Stelle nochmal alles Gute und schnelle Genesung). Aber dies ist etwas ganz Tolles und Faszinierendes für mich seit vielen Jahren bei der Osterwanderung, die Gruppe nimmt immer Rücksicht aufeinander und keiner steht im Vordergrund.
Die Tour führte nach zweimaligem Umsteigen von Meckesheim über Mauer, vorbei an Wiesenbach und Schloss Langenzell zum Dilsberg (gegenüber von Neckarsteinach). Die Jugendherberge hier ist ein ziemlich altes Gemäuer (wie der ganze kleine Ort) und macht einer Jugendherberge mal wieder alle Ehre, die liegen nämlich meistens irgendwo ganz oben auf dem Berg, so dass auch diesmal eine ordentliche Steigung zum Schluss des Tages absolviert werden musste. Auf Grund der kürzeren Strecke von etwa 14,5km war dafür genügend Zeit zum Vespern und um gemeinsame Zeit an schönen Rastplätzen zu verbringen, sehr zur Freude der Teilnehmer, gehört dies doch zu einer Osterwanderung auch immer unbedingt dazu! Die Erwähnung von Kuriositäten gehört ja auch immer mal dazu, diesmal gab es bei einem Teilnehmer sogar ganz stilvoll „frisch gezapftes Guinness“ im stilechten Guinness-Glas, welches, oh Wunder, sogar alle vier Tage schadlos überstanden hat. Die Jugendherberge war leider eine der eher spartanisch Ausgestatteten, keine Toiletten und Duschen auf den Zimmern, nur sehr wenige Gemeinschaftstoiletten und -duschen sowie keine Freizeiteinrichtungen bzw. Gemeinschaftsräume für den Abend. Natürlich alles auch ein wenig auch der vorgegebenen Enge des alten Gemäuers geschuldet. Dennoch fanden wir alle Platz in einem Gruppenraum und konnten den Abend nach einem eher mittelmäßigen Abendessen (Fleischbällchen mit Nudeln und Tomatensoße) gemeinsam bei dem ein oder anderen Getränk ausklingen lassen.
Am Samstag steht, sofern sich die Möglichkeit ergibt, öfter mal ein gemeinsames Grillen auf dem Programm. Leider wird es immer schwieriger, öffentliche Grillplätze ohne Aufwand (Reservierung über Ortsbehörden, Schlüsselabholung vor Ostern im Bürgerbüro, …) zu bekommen. Umso besser war es, dass wir diesmal einen nahegelegenen Grillplatz über die Jugendherberge reservieren konnten und von dort sogar mit Grillgut und Holz versorgt wurden, anstelle des Abendessens gegen einen kleinen Aufpreis. Dies war insofern perfekt, da nach früheren ausgedehnten Grillnachmittagen abends der Appetit oft eher dürftig war und dann doch immer viel Essen in der Jugendherberge übriggeblieben ist. Am Morgen nach dem Frühstück stießen noch Holger und Reiner K. zu uns. Das Grillen sollte gegen 16/17 Uhr starten und so war dann tagsüber doch genügend Zeit für eine weitere Wanderung den Berg hinab an den Neckar, hinüber über das Wehr nach Neckarsteinach, u.a. auch um die Vorräte im Supermarkt nochmal aufzufüllen. Weiter ging es zur Vorder- Mittel- und Hinterburg, zumindest letztere Ruine konnte besichtigt und auch ein Aussichtsturm bestiegen werden. Das Wetter war am Samstag leider nicht so prächtig, so zog doch immer mal wieder ein ungemütlicher Nieselregen durch bevor es am Nachmittag besser wurde, so dass ein weiterer, ausgedehnter Stopp im Biergarten eingelegt wurde, bevor es zum Grillen wieder den Berg hinauf ging. An der Feuerstelle wurden dann allerlei leckere Dinge gegrillt und der Abend klang wunderbar ohne Regen am Lagerfeuer aus. Dunkle Kanäle (oder war es der wanderungsinterne Whatsapp-Gruppenchat?) berichten noch von einer späten Gesichtsmaske eines Zimmers, wer an weiteren Details interessiert ist, muss nächstes Jahr einfach mal mitkommen.
Am Sonntag war ursprünglich eine ausgedehnte Wanderung nach Neckargemünd und zurück über den Dilsberger Hof geplant, aufgrund der schönen Wetteraussichten entstand am Samstag im Biergarten aber die Idee, die Chance zu nutzen und eine Schifffahrt auf dem Neckar nach Heidelberg einzubauen. Somit fiel die Wanderung am Sonntag etwas kleiner aus (trotzdem etwa 11km plus später Rückweg vom Schiff zur Herberge), es ging bei inzwischen wieder bestem Wanderwetter dann trotzdem nach Neckargemünd und von dort über den rechten Neckarrandweg zurück nach Neckarsteinach wo gegen Mittag das Schiff Richtung Heidelberg und zurück startete. Unterwegs folgte natürlich (spätestens wo es ordentlich den Berg hoch ging) das übliche „Osterwanderungsgebruddel“ warum man denn den Berg hochmüsste, dass es viel zu wenig Vesperpausen gibt und die Aussicht auf den Neckar wäre ja auch überhaupt nicht so gegeben wie versprochen. Eine Vesperpause und ein Gipfelbier gab es dann aber natürlich trotzdem!
Auf dem Schiff herrschte eine entspannte Atmosphäre, wir saßen auf dem Oberdeck bei schönstem Sonnenschein, genossen das Neckarpanorama und das ein oder andere Getränk, waren bei diesem Angebot doch tatsächlich alle Getränke im Fahrpreis inkludiert. Lediglich der Wind sorgte manchmal für etwas Ärger ob für uns oder andere Fahrgäste. So gab es Situationen durch Windböen, wo Prospekte, leere Gläser oder sogar eine Portion Pommes Frites über das Deck geflogen kamen. In Heidelberg konnten wir den schönen Ausblick auf Altstadt und Schloss genießen ehe sich das Schiff für die Rückfahrt deutlich stärker füllte als bei der Hinfahrt. Die Rückfahrt war dann windtechnisch sehr angenehm, es ist davon auszugehen, dass der Wind entweder nachgelassen hatte oder wir Rückenwind hatten. Zurück in Neckarsteinach trat ein Teil der Gruppe den Rückweg in die Herberge an, ein anderer Teil entschied sich, nochmal den örtlichen Biergarten aufzusuchen und anschließend noch in der Stadt was zu essen. Dies war vermutlich die bessere Entscheidung, das Abendessen in der Jugendherberge war doch leider eher (wie am Freitag schon) nur mittelmäßig, es gab schon wieder Fleischbällchen mit Tomatensoße, als herausragende Abwechslung statt Nudeln gab es totgebratenen Reis! Irgendwann waren dann alle Wanderer wieder zurück in der Herberge, manche gingen schlafen, die anderen saßen noch etwas im spartanischen Eingangsbereich bei einem Getränk zusammen.
Und nun folgt schon Tag 4 der Osterwanderung und damit die Rückreise. Das Wetter war nochmals sehr schön und so starteten wir nach Frühstück und reibungsloser Räumung der Zimmer (in der Jugendherberge bedeutet das immer Betten abziehen und einmal rausfegen) zu einer letzten Wanderung nach Hirschhorn mit Überquerung des Neckars mittels historischer Autofähre beim Neckarhäuser Hof. Nach der Fähre galt es nochmal einen ordentlichen Anstieg zu bewältigen. Am höchsten Punkt angekommen folgte noch eine letzte Vesperpause ehe es zum Bahnhof ging und von dort nach kurzer Planänderung aufgrund eines Zugausfalls statt über Osterburken wieder über Heidelberg zurück nach Stuttgart. Vor allem den letzten Abschnitt zwischen Bruchsal und Stuttgart konnten wir in „vollen Zügen genießen“ wenn ihr versteht was ich meine!
Das war sie, die Osterwanderung 2026 und man darf gespannt sein, wo es nächstes Jahr hingeht, es ist zwar noch nicht die 40. Osterwanderung (vor allem durch Corona gab es ja eine Unterbrechung dieser schönen und langen Tradition) aber wir feiern zumindest 40 Jahre Osterwanderung seit der Gründung 1987!
Frank Lache



